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Grundbegriffe

Was ist First-Principles-Denken? Einfach erklärt

First-Principles-Denken heißt, eine Sache bis auf den Grund zu zerlegen, bis man bei dem ankommt, was wirklich sicher wahr ist, und von dort neu aufzubauen. Was das bedeutet, an Beispielen, die ein Kind versteht, und warum unsere ganze Schule darauf steht.

Sepia-Zeichnung: links wird eine kleine Struktur in einzelne Grundbausteine zerlegt, in der Mitte prüft eine Hand einen Baustein mit der Lupe, rechts entsteht daraus eine neue, stabilere Struktur
Eine Sache auf das zerlegen, was wirklich trägt, und von dort neu bauen. Das ist der ganze Gedanke.

Ein Kind fragt: Warum schwimmt ein riesiges Schiff aus Eisen, ein kleiner Nagel aus demselben Eisen geht aber sofort unter? Darauf gibt es zwei Arten zu antworten. Die eine: Das ist eben so, das lernst du später. Die andere: Komm, wir finden es heraus, Stück für Stück, bis wir es selbst verstehen.

Die zweite Antwort ist First-Principles-DenkenFirst-Principles-Denken Eine Sache von Grund auf neu durchdenken: nicht übernehmen, wie man es immer gemacht hat, sondern fragen, was wirklich sicher wahr ist, und von dort weiterbauen. Mehr dazu. Der Rest dieses Textes erklärt, was das ist, an Beispielen, die ein Kind versteht, und warum unsere ganze Schule darauf gebaut ist.

Zwei Arten zu denken

Es gibt grob zwei Wege, an eine Sache heranzugehen.

Der erste ist Denken per Analogie, also über Ähnlichkeit. Man macht es so, wie es andere machen, wie man es immer gemacht hat, wie es im Rezept steht. Das ist schnell und meistens gut genug. Ein Koch, der ein Rezept genau befolgt, bekommt ein ordentliches Essen auf den Tisch.

Der zweite ist First-Principles-Denken, auf Deutsch Denken aus ersten Prinzipien. Man zerlegt eine Sache so weit, bis man bei dem ankommt, was man wirklich sicher weiß, und baut von dort neu auf. Der Begriff stammt von Aristoteles, der diese untersten, nicht weiter zerlegbaren Grundwahrheiten archai nannte, die ersten Dinge. Ein Koch, der versteht, was Hitze mit Eiweiß macht und wozu Salz dient, braucht kein Rezept mehr. Er kann ein neues Gericht erfinden und ein misslungenes retten, weil er weiß, warum jeder Schritt wirkt.

Ein Beispiel zum Anfassen

Ein Kind will einen möglichst hohen Turm aus Bauklötzen bauen. Es kann den Turm des Nachbarkindes genau nachbauen, Klotz für Klotz. Das ist der Analogie-Weg, und er endet bei einem Turm, der genauso hoch ist wie der Nachbarturm, keinen Klotz höher.

Oder das Kind fragt zuerst: Was hält einen Turm überhaupt aufrecht? Eine breite Basis. Ein tiefer Schwerpunkt. Und jeder Klotz muss den darüber wirklich tragen. Das sind die ersten Prinzipien eines Turms. Wer sie kennt, baut seinen eigenen Turm, höher als jeden, den er je gesehen hat. Und wenn er wackelt, weiß das Kind sofort, welches Prinzip es verletzt hat. Es steht nicht ratlos da, es hat eine Stelle zum Nachbessern.

Genau das ist der Unterschied. Der eine Weg gibt dir eine Kopie. Der andere gibt dir die Fähigkeit, selbst zu bauen und zu reparieren.

Drei Fragen, mit denen ein Kind es üben kann

First-Principles-Denken lässt sich in drei Fragen üben, und die passen für einen Sechsjährigen so gut wie für einen Erwachsenen. Bei uns heißen sie der Kern des Fachs, in dem Kinder lernen, die Welt selbst zu prüfen:

  1. Was ist wahr?
  2. Woher weiß ich das?
  3. Wie würde ich merken, dass ich falsch liege?

Diese drei Fragen verwandeln jede Behauptung in etwas, das man selbst prüfen kann. Sagt ein Freund, ein Video oder eine künstliche Intelligenz etwas mit voller Überzeugung, muss ein Kind es nicht einfach glauben. Es fragt nach: Woher weißt du das? Erklär es anders. Was fehlt in deiner Antwort? In einer Welt, in der Maschinen jede Antwort flüssig und selbstsicher liefern, ist dieses Prüfen zur Grundfertigkeit geworden, so wichtig wie das Lesen selbst.

Warum unsere Schule darauf steht

Die meisten Schulen entstehen, indem man sich die besten Zutaten von anderen zusammenstellt. Wir sind anders vorgegangen. Wir haben gefragt: Was ist heute wirklich gesichert darüber, wie Kinder lernen? Und von diesen Grundwahrheiten aus haben wir Schule neu hergeleitet.

Diese Grundwahrheiten nennen wir unsere AxiomeAxiome Eine Grundannahme, von der man ausgeht: ein Satz, den man nach bestem Wissen für wahr hält und auf den man alles Weitere aufbaut. Mehr dazu, unsere Grundannahmen. Aus dem Satz Kinder wachsen in Beziehung und dem Satz Ein Kind lernt tiefer, wenn es weiß, wofür, folgt eine ganz andere Schule als aus dem alten Satz Alle gleich alt, alle im gleichen Tempo. Wie diese Herleitung im Ganzen aussieht, steht im Dreiklang, worauf diese Schule steht.

Und weil selbst unsere eigenen Axiome eines Tages durch bessere Belege überholt sein könnten, haben wir eine Regel eingebaut, die uns zwingt, sie immer wieder zu prüfen. First-Principles-Denken ohne diese Regel würde sonst selbst zum neuen Dogma, also zu einer Wahrheit, die man nur noch nachbetet. Warum eine Schule deshalb absichtlich nie fertig ist, steht in Die Schule, die nie fertig ist.

Woher diese Denkweise kommt

Diese Prinzipien sind nicht am Schreibtisch entstanden, sondern über Jahre gewachsen. Der Anfang liegt weiter zurück. Mit fünfzehn Jahren, 2011, fasste Momo Feichtinger den Entschluss, Bildung zu seiner Lebensaufgabe zu machen, weil er sie als den größten Hebel erkannte, an dem ein einzelner Mensch für die Zukunft ansetzen kann. Zehn Jahre später, 2021, bildete sich auf der Audio-Plattform Clubhouse eine Gruppe namens Education Revolutionaries, in der Bildungsmenschen aus aller Welt zusammenkamen, um eine einzige Frage zu verfolgen: Wie sähe Bildung aus, wenn man sie heute von Grund auf neu denken dürfte? Fast ein Jahr lang wurde dort fast täglich mehrere Stunden diskutiert, gestritten, verworfen und neu gebaut. Aus diesen Gesprächen sind die Grundannahmen entstanden, auf denen diese Schule steht.

Danach kamen zwei Jahre Praxis. Die Prinzipien wurden im Lernprojekt Colearning mit echten Kindern erprobt, korrigiert und geschärft, bevor daraus eine Schule wurde. Das ist auch der Grund, warum wir beim ständigen Selbstprüfen so hartnäckig sind: Wer eine Idee über Jahre im echten Alltag getestet hat, weiß, wie oft sich eine schöne Theorie erst dort blamiert. Die ganze Geschichte, von der ersten Erkenntnis mit fünfzehn bis zur fertigen Schule, steht hier: Der größte Hebel.

Der Haken

First-Principles-Denken ist anstrengender und langsamer als Kopieren. Man muss wirklich denken, und man liegt zwischendurch falsch. Das gehört dazu. Aber was man auf diesem Weg baut, steht stabiler, und vor allem: Man kann es reparieren und verbessern, weil man versteht, warum jedes Teil da ist. Wer nur kopiert, steht hilflos da, sobald etwas bricht.

Bei uns ist das keine Theorie für den Sonntag, sondern der ganz normale Vormittag. Kein Kind übt etwas, ohne in eigenen Worten sagen zu können, wofür. Wie sich das anfühlt, sehen Sie am besten selbst: beim monatlichen Infoabend, an dem wir genau diese Fragen offen besprechen. Zum Infoabend und dem Weg zu uns.

Häufige Fragen

Ist First-Principles-Denken nicht zu abstrakt für Kinder?

Im Gegenteil. Kinder machen es von selbst, mit ihrem endlosen Warum. First-Principles-Denken heißt schlicht, dieses Warum ernst zu nehmen und weiterzuführen, statt es mit Das ist eben so abzuwürgen.

Heißt das, ihr lehnt bewährte Methoden ab?

Nein. Wir prüfen sie an dem, was heute über Lernen gesichert ist. Was besteht, bleibt. Es geht nicht darum, anders zu sein, sondern darum, jede Methode begründen zu können.

Woher kommt der Begriff?

Von Aristoteles. Er nannte die untersten, nicht weiter zerlegbaren Grundwahrheiten archai, die ersten Dinge. Bis heute arbeiten Wissenschaft und Erfinder so: nicht glauben, weil es jemand sagt, sondern fragen, was wirklich wahr ist.

Braucht mein Kind viel Vorwissen dafür?

Es braucht genug sicheres Grundwissen, um Behauptungen überhaupt prüfen zu können. Genau deshalb bestehen wir bei Lesen, Schreiben und Rechnen auf echtem Beherrschen, bevor darauf aufgebaut wird.

Quellen

  1. Stanford Encyclopedia of Philosophy: Aristotle's Metaphysics (archai, erste Prinzipien): https://plato.stanford.edu/entries/aristotle-metaphysics/

Sie überlegen gerade, welche Schule passt?

Am ehrlichsten prüft man eine Schule im Alltag. Bei uns beginnt das mit einer Schnupperwoche, die nichts kostet, und einem Gespräch in beide Richtungen.