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Haltung

Der größte Hebel: warum ich seit 2011 an Bildung arbeite

Mit fünfzehn habe ich eine Entscheidung getroffen, die sich bis heute nicht geändert hat: mein Leben an die Bildung zu hängen. Nicht aus Romantik, sondern aus einer nüchternen Rechnung aus drei Gedanken. Woher diese Schule wirklich kommt.

Sepia-Zeichnung eines Hebels, der die Welt bewegt: ein langer Hebel auf einem Drehpunkt hebt eine Erdkugel, am anderen Ende drückt eine kleine Figur von hinten
Eine kleine Kraft am richtigen Punkt bewegt die ganze Welt. Für mich ist dieser Punkt die Bildung.

Mit fünfzehn, im Jahr 2011, habe ich eine Entscheidung getroffen, die sich bis heute nicht geändert hat: dass ich mein Leben an die Bildung hängen will. Das klingt groß für einen Fünfzehnjährigen. Es kam aber nicht aus Romantik, sondern aus einer nüchternen Rechnung, die aus drei Gedanken entstand, die in wenigen Monaten zusammenfielen.

Der erste Gedanke: die richtige Herausforderung

Meine Mutter hat mir einmal etwas gesagt, das hängengeblieben ist: Geld zu verdienen sei leicht. Die eigentliche Herausforderung sei, gut zu sein und dabei Geld zu verdienen. Gut meinte sie nicht im Sinne von tüchtig, sondern im ethischen Sinn: etwas tun, das die Welt ein Stück besser macht, und davon leben können. Dazu passte ein Satz, den ich als Pfadfinder mitbekommen hatte, von Baden-Powell: Verlasse die Welt ein bisschen besser, als du sie vorgefunden hast, und hinterlasse jeden Ort ein wenig schöner, als er war. Der Antrieb dahinter war nie Pflicht, sondern Dankbarkeit: der Welt gut tun, weil sie mir gut tut. Sie wusste, dass ich Herausforderungen immer geliebt habe. Was sie damit ausgelöst hat, war kein Ehrgeiz auf ein Konto, sondern die Frage nach einer Aufgabe, die groß genug ist für ein ganzes Leben.

Der zweite Gedanke: die größten Probleme

Kurz darauf hörte ich in einem Hörbuch einen Satz, der die Suche in eine Richtung drehte: Die größten Probleme der Welt sind die größten Chancen der Welt. Wer Hunger, Analphabetismus oder die Energiefrage löst, bekommt die Dankbarkeit der Welt.

Der Satz war unternehmerisch gemeint, aber sein Geschenk war ein anderes. Er schickte mich auf die Suche nach den wirklich großen Problemen. Ich stieß auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und auf das, was hinter ihnen steht. Und ich merkte schnell: Fast jedes dieser Probleme wird kleiner, wenn Menschen besser lernen, klarer denken und aus eigener Kraft handeln können.

Der dritte Gedanke: der Hebel

Den letzten Anstoß gab ein alter Gedanke. Marcus Aurelius und die Stoiker raten, die Kraft auf das zu richten, was man beeinflussen kann. Ich habe mich gefragt, was einen Menschen am stärksten prägt. Die Antwort war: sein Denken, seine Haltung, kurz, wie er aufwächst. Und das wird geformt durch die Umgebung, durch Eltern und Freunde, und durch das eine System, das man am ehesten bewusst und systematisch verändern kann und in dem ich selbst die meiste Erfahrung hatte: die Schule.

Damit war die Rechnung fertig. Wenn das Aufwachsen ein Leben am stärksten prägt, und wenn das Bildungssystem der Ort ist, an dem sich das am systematischsten verändern lässt, dann ist bessere Bildung der größte Hebel, den ein einzelner Mensch ansetzen kann. Archimedes sagte, mit einem festen Punkt und einem langen Hebel könne er die Welt aus den Angeln heben. Ich hatte meinen Punkt gefunden.

Mit fünfzehn habe ich mir vorgenommen, maximal wertvoll für die Zukunft der Bildung zu werden. Jetzt, 2026, sind das fünfzehn Jahre, und an diesem Vorsatz hat sich nichts geändert.

Von der Idee zur Methode

Ein Vorsatz ist noch keine Schule. Zwischen der Entscheidung und diesem Haus liegen Jahre des Lesens, Ausprobierens und Verwerfens. Das meiste davon lief lange leise, im Kleinen gedacht und erprobt, bevor je ein Video davon online ging oder ein Verein gegründet war.

Ein Wendepunkt kam 2021. Ich gründete die Education Revolutionaries, eine Gruppe von Lehrerinnen, Neurowissenschaftlern, Eltern und Philosophen aus aller Welt, die sich auf der Plattform Clubhouse traf; mit der Zeit über neuntausend Menschen, gut zwanzig davon moderierten aus Philosophie, Neurologie, Psychologie und Pädagogik. Der Funke war ein Gedankenexperiment von Richard David Precht: eine Welt ohne Schulen, und die Aufgabe, ein System zu erfinden, das möglichst viele Menschen gut auf einen Beruf und auf ein gutes Leben vorbereitet. Fast ein Jahr lang haben wir fast täglich mehrere Stunden diskutiert, mit einer einzigen Frage im Zentrum: Wie sähe Bildung aus, wenn man sie von Grund auf neu denken dürfte?

Unsere Methode war schon damals die, auf der heute die Schule steht. Wir haben jede Annahme nach unten geprüft, bis wir bei einer Grundwahrheit ankamen, die niemand mehr bestreiten konnte. Um etwas zu lernen, muss ein Kind aufmerksam sein. Um dauerhaft zu lernen, muss ihm die Sache etwas bedeuten. Und von dort haben wir wieder nach oben gebaut und gefragt, wie eine Schule, ein System, eine Gesellschaft aussähe, die das ernst nimmt. Genau das ist First-Principles-Denken, und daraus sind die GrundannahmenAxiome Eine Grundannahme, von der man ausgeht: ein Satz, den man nach bestem Wissen für wahr hält und auf den man alles Weitere aufbaut. Mehr dazu entstanden, auf denen der Dreiklang dieser Schule beruht.

Die praktische Arbeit hatte schon früher begonnen. Im Corona-Frühjahr 2020 leitete ich eine Vormittags-Lerngruppe an der Uni Salzburg und in St. Koloman, in der Kinder nicht Hausaufgaben abarbeiteten, sondern lernten, sich selbst zu strukturieren und sich Dinge selbst beizubringen. Aus der Gruppe der Education Revolutionaries wuchs dann das Lernprojekt Colearning, in dem die Prinzipien über zwei Jahre mit echten Kindern erprobt, korrigiert und geschärft wurden, bevor daraus eine Schule wurde. Nichts kalibriert eine schöne Theorie schneller als ein echtes Kind, das an einem Dienstagvormittag etwas anderes braucht, als das Konzept vorsieht.

Warum ich das erzähle

Ich erzähle das, damit klar ist, woher diese Schule kommt. Sie ist über fünfzehn Jahre aus einer einzigen Frage gewachsen: Wie hilft man Kindern am besten, weise und fähig zu werden?

Diese Frage ist bis heute nicht fertig beantwortet, und sie wird es nie sein. Deshalb hat die Schule das Weiterlernen in ihre eigene Verfassung geschrieben. Der Hebel bleibt derselbe. Wo genau man ihn ansetzt, prüfen wir immer wieder neu.

Wenn Sie wissen wollen, wie aus dieser langen Frage ein konkreter Schultag wird, kommen Sie zum monatlichen Infoabend. Dort erzähle ich den Rest gern persönlich. Zum Infoabend und dem Weg zu uns.

Häufige Fragen

Warum ausgerechnet eine Schule und nicht Politik oder ein Start-up?

Weil das Aufwachsen, also wie ein Mensch denken und handeln lernt, das ist, was ein Leben am stärksten prägt, und weil das Bildungssystem der Ort ist, an dem sich das am systematischsten und am ehesten verändern lässt. Dort hatte ich zugleich die meiste eigene Erfahrung.

Was hat sich seit 2011 geändert?

Die Methoden, laufend. Das Ziel nicht. Genau dafür gibt es das Kaizen-Prinzip: Die Schule prüft sich ständig selbst und ändert, was dem Ziel nicht mehr dient.

Was waren die Education Revolutionaries?

Eine internationale Gruppe von Bildungsmenschen, Neurowissenschaftlern, Eltern und Philosophen, die 2021 auf der Plattform Clubhouse zusammenkam, um Bildung aus ersten Prinzipien neu zu denken. Fast ein Jahr lang haben wir dort fast täglich mehrere Stunden diskutiert.

Quellen

  1. 1st Principles Education / Education Revolutionaries (Podcast, ab März 2021): https://podcasts.apple.com/nz/podcast/1st-principles-education/id1560588961
  2. Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs): https://sdgs.un.org/goals

Sie überlegen gerade, welche Schule passt?

Am ehrlichsten prüft man eine Schule im Alltag. Bei uns beginnt das mit einer Schnupperwoche, die nichts kostet, und einem Gespräch in beide Richtungen.