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Schulwahl

Ist die Matura nach einer freien Schule möglich?

Ja, über mehrere klar geregelte Wege. Was viele Eltern nicht wissen: Kein Kind macht die Matura an seiner Pflichtschule, auch nicht an der Regelschule. Die drei Wege zur Matura nach der 9. Schulstufe, ehrlich beschrieben.

Sepia-Zeichnung eines Berges mit goldener Gipfelfahne und drei verschiedenen eingezeichneten Routen zum selben Gipfel
Ein Gipfel, mehrere Routen: So funktioniert die Matura in Österreich tatsächlich.

Es ist die häufigste Sorge in unseren Aufnahmegesprächen, und sie kommt fast immer von den Großeltern: "Und die Matura?" Die Sorge ist verständlich, sie beruht aber auf einem Missverständnis darüber, wie die Matura in Österreich überhaupt funktioniert.

Das Missverständnis zuerst

Keine Pflichtschule führt zur Matura. Auch die Mittelschule nicht, auch die beste Volksschule nicht. Die Matura wird an einer Oberstufe gemacht: an einem Gymnasium, einem Oberstufenrealgymnasium, einer HTL, einer HAK, einer HLW oder auf einem der Erwachsenenwege. Jedes Kind in Österreich, egal an welcher Pflichtschule, steht nach der 8. oder 9. Schulstufe vor demselben Übergang.

Die Frage ist also nicht: "Verbaut eine freie Schule die Matura?" Die Frage ist: "Kommt mein Kind von dieser Schule gut in den nächsten Abschnitt?" Und darauf gibt es eine überprüfbare Antwort mit drei Wegen.

Weg 1: der Übertritt in eine maturaführende Oberstufe

Der direkteste Weg: Nach der 8. oder 9. Schulstufe wechselt der Jugendliche in eine Oberstufe und macht dort nach vier bis fünf Jahren die reguläre Matura. Für die Aufnahme zählen das Zeugnis der 8. Schulstufe und die Aufnahmebestimmungen der Zielschule; je nach Herkunftsschule und Leistungsniveau gehört eine Aufnahme- oder Einstufungsprüfung dazu. Für Kinder aus Statutschulen wie unserer gilt: Die aufnehmende Schule entscheidet nach ihren Regeln, und gute Vorbereitung heißt, ein Jahr vorher das Gespräch mit der Wunschschule zu führen. Das ist organisatorischer Aufwand, kein verschlossenes Tor.

Was dafür wirklich zählt, sind nicht Formalitäten, sondern Grundlagen: sicheres Lesen, sicheres Schreiben, tragfähige Mathematik, selbstständiges Arbeiten. Genau daran arbeiten wir täglich, mit Mastery-Logik: weiter geht es erst, wenn ein Baustein sitzt, und Lücken werden zuerst geschlossen. Eine Oberstufe scheitert selten an fehlenden Zeugnisformeln; sie scheitert an Lücken aus der Unterstufe, die nie geschlossen wurden.

Weg 2: die Lehre mit Berufsreifeprüfung

Der unterschätzte Weg, und für viele Jugendliche der beste: eine Lehre im Wunschberuf, parallel oder danach die Berufsreifeprüfung. Sie ist eine vollwertige Matura mit vier Teilprüfungen (Deutsch, Mathematik, lebende Fremdsprache, Fachbereich) und öffnet Universitäten genauso wie die AHS-Matura. Drei der vier Prüfungen sind schon während der Lehre möglich, die letzte ab dem 19. Geburtstag; über das Programm Lehre mit Matura sind die Vorbereitungskurse kostenlos (Arbeiterkammer).

Wichtig für Eltern von Kindern an freien Schulen: Eine Lehre kann nach den schulrechtlichen Bestimmungen auch ohne Externistenprüfung über den Pflichtschulabschluss begonnen werden. Der Weg über das Handwerk ist kein Abstieg; er ist für manche Kinder der Weg, auf dem Lernen zum ersten Mal Sinn ergibt, und die Matura kommt dann aus eigenem Antrieb.

Weg 3: die Externistenreifeprüfung

Der Weg für Selbstlerner: Die Externistenreifeprüfung ist die Matura ohne Schulbesuch, abgelegt vor einer Prüfungskommission. Voraussetzung sind die abgeschlossene 8. Schulstufe und Zulassungsprüfungen über den Stoff der Oberstufe; die Hauptprüfung ist frühestens ein halbes Jahr nach der letzten Zulassungsprüfung möglich (Bildungsdirektion Vorarlberg). Es gibt Maturaschulen, die darauf vorbereiten. Dieser Weg verlangt viel Selbstdisziplin über mehrere Jahre; er passt zu Jugendlichen, die genau wissen, was sie wollen.

Was wir dazu ehrlich sagen

Wir führen neun Schulstufen. Wir arbeiten daran, dass Jugendliche nach der 9. Schulstufe bei uns eine Matura-Vorbereitung anschließen können; das ist ein Aufbauziel, kein bestehendes Angebot, und so steht es auch in unseren Fragen und Antworten. Stand heute heißt unsere Aufgabe: Grundlagen so festigen, dass alle drei Wege offen stehen, und den Übertritt aktiv begleiten, mit Praktika ab der 8. Stufe und ehrlicher Einschätzung, welcher Weg zum Jugendlichen passt.

Kurz gesagt: Die Matura ist nach einer freien Schule über drei geregelte Wege erreichbar, und keiner davon hängt davon ab, welche Pflichtschule ein Kind besucht hat, sondern davon, wie tragfähig seine Grundlagen sind. Wer sich ansehen will, wie wir diese Grundlagen legen, ist am monatlichen Infoabend richtig.

Häufige Fragen

Kann mein Kind nach einer freien Schule die Matura machen?

Ja. Nach der 9. Schulstufe stehen dieselben Wege offen wie allen Jugendlichen: der Übertritt in eine maturaführende Oberstufe, später die Berufsreifeprüfung nach einer Lehre oder die Externistenreifeprüfung. Keine Pflichtschule in Österreich führt selbst zur Matura, auch die Mittelschule nicht.

Braucht mein Kind für die Oberstufe einen Mittelschulabschluss?

Für die Aufnahme in eine weiterführende Schule zählt das Zeugnis der 8. Schulstufe und je nach Schulart und Leistungsniveau eine Aufnahmeprüfung. Kinder aus Statutschulen können je nach Zeugnisform zusätzliche Nachweise oder Prüfungen brauchen; das regelt die aufnehmende Schule. Fragen Sie dort konkret nach, am besten ein Jahr vor dem Übertritt.

Was ist die Berufsreifeprüfung?

Die vollwertige Matura für Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung: vier Teilprüfungen in Deutsch, Mathematik, lebender Fremdsprache und dem Fachbereich. Drei der vier Prüfungen sind schon während der Lehre möglich, die letzte ab 19. Mit dem Programm Lehre mit Matura sind die Vorbereitungskurse kostenlos.

Bereitet die Freie Schule Salzburg auf die Matura vor?

Wir führen neun Schulstufen und arbeiten daran, dass Jugendliche nach der 9. Schulstufe bei uns eine Matura-Vorbereitung anschließen können. Das ist ein Aufbauziel und noch kein bestehendes Angebot; Stand heute begleiten wir den Übertritt in weiterführende Schulen oder in die Lehre.

Quellen

  1. erwachsenenbildung.at: Externistenprüfung und Externistenreifeprüfung: https://erwachsenenbildung.at/bildungsinfo/zweiter_bildungsweg/externistenpruefung.php
  2. Bildungsdirektion Vorarlberg: Externistenreifeprüfung: https://www.bildung-vbg.gv.at/schulen/schulsystem-in-oesterreich/externistenreifepruefung.html
  3. oesterreich.gv.at: Berufsmatura / Lehre mit Matura: https://www.oesterreich.gv.at/de/themen/bildung_und_ausbildung/lehre-und-berufsbildende-schulen/Seite.333905
  4. Arbeiterkammer: Berufsreifeprüfung: https://www.arbeiterkammer.at/beratung/bildung/zweiterbildungsweg/Berufsreifepruefung.html
  5. Externistenprüfungsverordnung, geltende Fassung (RIS): https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10009486

Sie überlegen gerade, welche Schule passt?

Am ehrlichsten prüft man eine Schule im Alltag. Bei uns beginnt das mit einer Schnupperwoche, die nichts kostet, und einem Gespräch in beide Richtungen.