Schulaufbau
Schulaufbau, öffentlich: drei Jahre zwischen Plan und laufendem Betrieb
2022 fehlte die Genehmigung. 2023 begann der Unterricht in der VHS. 2025 wurden Räume täglich zur Schule und zurück gebaut. Seit 2025/26 hat die Schule Öffentlichkeitsrecht. Ein Werkstattbericht mit Quellen.

Am 5. August 2022 berichteten die Salzburger Nachrichten über eine geplante freie Schule in der Stadt. Die Genehmigung der Bildungsdirektion fehlte noch. Als möglicher Ort war die „Insel, Haus der Jugend“ genannt. Acht Monate später stand in derselben Zeitung ein anderer Ort: angemietete Räume der Volkshochschule in der Strubergasse 26. Dort begann im Schuljahr 2023/24 der Betrieb.
Zwei Jahre danach lautete die Schlagzeile: „Diese Salzburger Schule wird jeden Tag umgebaut“. Gemeint war das wörtlich. Räume wurden morgens für den Unterricht hergerichtet und nachher wieder für die Volkshochschule freigemacht.
Diese drei Berichte erzählen mehr über Schulaufbau als jede Hochglanzfassung. Ein Plan änderte den Ort. Der Betrieb begann trotzdem. Dann zeigte der Alltag, wo das Raumkonzept an seine Grenze kam.
Ich leite heute die Weiterentwicklung der Freien Schule Salzburg. Die Gründung und die ersten Betriebsjahre gehören zur Aufbauarbeit von Karin Mitterbauer, dem Verein Kreativwerkstatt und den Familien, die diesen Weg mitgetragen haben. Meine Aufgabe setzt im laufenden Betrieb an: Entscheidungen präzisieren, Lernwege und Abläufe bauen, Software entwickeln und öffentlich festhalten, was davon trägt.
2022: Ein Vorhaben ohne Genehmigung
Der erste Bericht vom August 2022 beschrieb eine Idee, einen möglichen Ort und eine offene Genehmigung. Das ist eine wichtige Reihenfolge. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Schule, deren Zukunft man zuverlässig hätte erzählen können.
Der damals genannte Ort wurde später nicht zum Schulstandort. Die öffentlich zugänglichen Berichte nennen keinen belastbaren Grund dafür. Also erfinde ich keinen. Sicher ist nur: Im April 2023 war der Plan weitergezogen.
2023: Der Schulbetrieb beginnt in der VHS
Am 20. April 2023 berichteten die Salzburger Nachrichten über den bevorstehenden Start in der Strubergasse 26. Die Räume in der Volkshochschule machten den Beginn möglich. Die Schulsuche der Bildungsdirektion Salzburg führt die Privatschule heute an dieser Adresse.
Ein gemieteter Ort löst die erste Frage: Wo kann der Schulbetrieb beginnen? Er löst noch nicht die Frage, ob Räume dauerhaft zu Tagesablauf, Gruppenarbeit, Bewegung und Material passen.
2025: Improvisation wird zum Betriebsproblem
Der Bericht vom 12. März 2025 beschreibt eine Schule, die ihre Räume stundenweise nutzt. Morgens wird aufgebaut, nach dem Unterricht weggeräumt. Ein Umkleideraum wird zum Lernraum. Der Text nennt ständige Improvisation und die Suche nach einem eigenen Haus.
Improvisation kann einen Start retten. Als Dauerbetrieb kostet sie Zeit und Aufmerksamkeit. Material braucht einen festen Platz, konzentrierte Arbeit braucht verlässliche Räume, und ein Team sollte seinen Morgen mit Kindern beginnen können, statt zuerst die Schule physisch herzustellen.
Dieses Problem ist bis heute nicht durch ein eigenes Schulgebäude erledigt. Die Schule arbeitet weiterhin in der Strubergasse 26. Jede weitere Raumentscheidung muss deshalb zeigen, welchen Ablauf sie verbessert und welche tägliche Belastung sie beseitigt.
2025/26: Der rechtliche Rahmen wird dauerhaft, solange die Bedingungen gelten
Mit dem Schuljahr 2025/26 erhielt die Freie Schule Salzburg diesen rechtlichen Status auf die Dauer der Erfüllung der gesetzlichen Bedingungen. Die genaue Formulierung zählt. § 13 des Privatschulgesetzes bindet das ÖffentlichkeitsrechtÖffentlichkeitsrecht Ein gesetzlicher Status für Privatschulen: Ihre Zeugnisse haben die Beweiskraft öffentlicher Urkunden und dieselben Rechtswirkungen wie gleichartige Zeugnisse öffentlicher Schulen. Mehr dazu an gesetzliche Voraussetzungen.
Für Familien bedeutet der Status: Der Schulbesuch erfüllt die allgemeine Schulpflichtallgemeine Schulpflicht Die gesetzliche Pflicht, über neun Schuljahre Unterricht zu erhalten; in Österreich kann sie an einer Schule oder unter bestimmten Bedingungen durch häuslichen Unterricht erfüllt werden. Mehr dazu, und die Zeugnisse sind staatlich anerkannt. Der Status ist kein Qualitätsurteil über jede pädagogische Entscheidung. Er ist auch kein eigener Pflichtschul-, Mittelschul- oder Maturaabschluss. Die Details dazu stehen im Beitrag Öffentlichkeitsrecht einfach erklärt.
Der pädagogische Rahmen ist der Glocksee-Lehrplan mit Differenz-Lehrplan. Er beschreibt den anerkannten Rahmen der ersten bis neunten Schulstufe. Die konkrete Lernpraxis entsteht trotzdem jeden Tag neu aus Aufgaben, Beobachtung, Rückmeldung und der Arbeit der Kinder.
2026: Weiterbauen, während die Schule läuft
Im laufenden Betrieb treffen zwei Geschwindigkeiten aufeinander. Kinder brauchen heute verlässliche Abläufe. Handbuch, Lernstands-Landkarte, Lernsoftware und Rollenmodell müssen zugleich weiterentwickelt werden.
Wir arbeiten parallel an drei Dingen. Das Kernhandbuch hält fest, wie Entscheidungen, Konflikte, Lernbegleitung und Kinderschutz funktionieren sollen. Die Lernwelt übersetzt Teile davon in einen sichtbaren Tagesablauf, ohne pädagogische Entscheidungen an Software abzugeben. Die öffentliche Website erklärt Familien, was heute gilt, und muss Aufbauziele deutlich von vorhandenen Leistungen trennen.
Jede dieser Aufgaben braucht eine eigene Lösung. Jede Änderung braucht einen konkreten Grund, eine verantwortliche Person und einen Weg zurück, falls sie im Alltag nicht trägt. Bei der Lernwelt heißt das zum Beispiel: erst eine reale Lücke im Lernweg benennen, dann bauen, mit Demo-Daten prüfen und erst danach in den Betrieb bringen.
Ein Satz im Handbuch kann an einem Nachmittag geändert werden. Bis er im Schulalltag trägt, braucht es Schulung, Beobachtung und Rückmeldung. Eine Softwarefunktion kann technisch fertig sein und trotzdem am falschen Problem arbeiten. Eine Website kann einen künftigen Plan so glatt formulieren, dass er wie ein heutiges Angebot klingt. Diese drei Fehler sehen von außen ähnlich aus, brauchen aber verschiedene Reparaturen.
Darum prüfen wir Änderungen getrennt: Das Team muss den Ablauf anwenden können. Die digitale Funktion muss mit Demo-Daten und dem vorgesehenen Rollenrecht funktionieren. Eine öffentliche Aussage braucht eine aktuelle Quelle und muss auf der echten Website lesbar sein. Erst wenn diese Ebenen zusammenpassen, ist der Schritt für dieses Bautagebuch fertig.
Der erste Fehler dieses Bautagebuchs
Die erste Fassung dieses Textes hatte 484 Wörter. Sie versprach Vergleiche, Werkstattbriefe, Software-Notizen und Videos. Sie dokumentierte keinen einzigen Schritt mit Datum oder Quelle. Ein Bautagebuch, das nur ankündigt, später einmal Bautagebuch zu sein, erfüllt seine eigene Aufgabe nicht.
Diese Fassung korrigiert genau das: fünf belegte Etappen, ein ungelöstes Raumproblem, der rechtliche Rahmen mit seiner Grenze und Quellen, die jede Person selbst öffnen kann.
Künftige Einträge brauchen deshalb vier Dinge: eine konkrete Entscheidung, den Beleg dafür, die sichtbare Folge im Betrieb und den offenen Punkt, der bleibt. Fehlt einer dieser Teile, bleibt der Text intern.
Wer den rechtlichen Schritt genauer prüfen möchte, liest als Nächstes was das Öffentlichkeitsrecht für Schulpflicht und Zeugnisse bedeutet.
Häufige Fragen
Wann begann die Freie Schule Salzburg?
Der Plan für die Schule wurde im August 2022 öffentlich. Der Schulbetrieb in der Strubergasse 26 begann mit dem Schuljahr 2023/24. Träger ist der Verein Kreativwerkstatt.
Warum ist die Schule in der Volkshochschule Salzburg?
Der 2022 öffentlich genannte mögliche Standort hielt nicht. Im April 2023 war der Start in angemieteten Räumen der Volkshochschule in der Strubergasse 26 angekündigt. Dort befindet sich die Schule weiterhin. Die Suche nach langfristig passenden Räumen bleibt Teil des Aufbaus.
Was bedeutet das Öffentlichkeitsrecht der Schule?
Der Schule wurde mit dem Schuljahr 2025/26 das Öffentlichkeitsrecht auf die Dauer der Erfüllung der gesetzlichen Bedingungen verliehen. Der Schulbesuch erfüllt damit die allgemeine Schulpflicht, die Zeugnisse sind staatlich anerkannt. Der Status ist kein eigener Pflichtschul-, Mittelschul- oder Maturaabschluss.
Nach welchem Lehrplan arbeitet die Schule?
Der pädagogische Rahmen ist der Glocksee-Lehrplan, ergänzt durch den Differenz-Lehrplan für die erste bis neunte Schulstufe. Die aktuelle Fassung steht auf der Website als PDF bereit.
Was wird in diesem Bautagebuch veröffentlicht?
Veröffentlicht werden überprüfbare Entscheidungen, geänderte Abläufe, Quellen und Grenzen. Persönliche Daten von Kindern, vertrauliche Gespräche und ungeprüfte Erfolgsbehauptungen gehören nicht hinein.
Quellen
- Salzburger Nachrichten, 05.08.2022: Neue freie Schule soll in Salzburg entstehen: https://www.sn.at/salzburg/politik/neue-freie-schule-soll-in-salzburg-nach-seekirchner-vorbild-entstehen-125208910
- Salzburger Nachrichten, 20.04.2023: Start in der Strubergasse: https://www.sn.at/salzburg/politik/50-kinder-lernen-in-der-stadt-salzburg-bald-in-neuer-freier-schule-137440807
- Salzburger Nachrichten, 12.03.2025: täglicher Auf- und Abbau der Schule: https://www.sn.at/salzburg/chronik/kreativwerkstatt-salzburger-schule-gebaeude-miete-crowdfunding-175001989
- Bildungsdirektion Salzburg: Schuleintrag Strubergasse 26: https://www.bildung-sbg.gv.at/schule-unterricht/schulsuche.html?start=60&view=catalog
- Freie Schule Salzburg: aktueller Status des Öffentlichkeitsrechts: https://freieschulesalzburg.at/fragen/
- Privatschulgesetz § 13, geltende Fassung (RIS): https://www.ris.bka.gv.at/NormDokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10009266&Paragraf=13
- Glocksee-Lehrplan und Differenz-Lehrplan der Freien Schule Salzburg: https://drive.google.com/file/d/1VkItDVbTDZNV6d070Y2u_VJFEYRlhpod/view?usp=sharing